Awareness-Teams im Einsatz für Leipzig
1. Wie ist der aktuelle Sachstand der Prüfung?
Zurückführend auf die Petition VII-P-04890-DS-02 „Schutz der Anwohner gegen die Auswirkungen nächtelanger Partys im Clara-Zetkin-Park“ aus dem Jahr 2021 sowie dem daraufhin dem Stadtrat kommunizierten Bericht zum Stand der Umsetzung vom 07.08.2024, teilte die Stadtverwaltung mit, dass sie derzeit die notwendigen Voraussetzungen für den Einsatz von Awareness-Teams (organisatorische Anbindung, Qualifikation, Ausstattung, etc.) prüfe.
Eine solche eingehende Prüfung, insbesondere unter Bezugnahme auf Best-Practice-Beispiele aus anderen Kommunen, ist erfolgt. Erfahrungen und Konzepte, u. a. aus den Städten Dresden, Dortmund, Hannover und Wien sowie die Expertise von Leipziger Akteuren aus dem Bereich Nachtkultur wurden berücksichtigt. Zudem ist der Kommunale Präventionsrat Leipzig seit dem Jahr 2023 im Städtenetzwerk des Allparteilichen Konflikt-managements AKIM in München als aktives Mitglied vernetzt.
Die Prüfung ergab, dass die Anbindung eines derartigen Projekts an einen externen Träger zu befürworten sei, der die Aufgabe im Auftrag der Stadt Leipzig erbringt. Für die Umsetzung der „Dortmund Guides“, in Form der Akquirierung eines Teams aus 20 sozialpädagogisch versierten Personen, fünf bis sechs Mitarbeitenden eines Sicherheitsdienstes sowie einer zu stellenden Einsatzleitung, wurden Kosten (inkl. Schulung) in Höhe von ca. 295.000 EUR für eine Frühjahrs- und Sommersaison veranschlagt. Die Zusammenarbeit der Awareness-Teams in Dresden und Dortmund wurde von Seiten der Polizei als sehr positiv bewertet.
Vor dem Hintergrund der ausgehenden Petition aus dem Jahr 2021, ist jedoch festzustellen, dass sich die Situation im öffentlichen Raum, insbesondere die Lage rund um die Sachsenbrücke und auch im Clara-Zetkin-Park entspannt hat. In den Frühjahrs- und Sommermonaten des Jahres 2024 kam es nur noch zu vereinzelten Lärmbeschwerden.
Mit einem Beschwerdeführer wurde im Rahmen des Beschwerdemanagements des Ordnungsamtes sowie unter Einbindung des Fachbeauftragten für Nachtkultur, vor Ort das Gespräch gesucht und über die auftretenden Problematiken offen und zielorientiert diskutiert. Auch im Jahr 2025 blieben regelmäßige Lärmbeschwerden, aufgrund von Party- und Feierklientel, in Leipziger Parks aus. In Leipzig gibt es keine Konzentration auf ein Viertel, sondern eher stadtweit wechselnde Orte mit starkem Nachtleben bzw. Corner-Publikum (z. B. Hauptbahnhof, rund um den Markt, Wolfgang-Heinze-Straße, Eisenbahn-straße, Sachsenbrücke, Karl-Heine-Straße, Jahrtausendfeld, Merseburger Straße, …).
Der Einsatz von Awareness-Teams im öffentlichen Raum kann daher – im Gegensatz zu dem Einsatz bei Veranstaltungen sowie in Bars und Clubs – nur begrenzte Wirkung entfalten. Die Gründe hierfür sind u. a. struktureller und organisatorischer Natur. Die Komplexität und Offenheit des öffentlichen Raums erschwert eine zielgerichtete, präventive und reaktive Arbeit. Awareness-Teams können meist nur bei bestimmten Veranstaltungen, an bestimmten Orten oder zu bestimmten Zeiten präsent sein. Die Etablierung eines Awareness-Teams über das gesamte Stadtgebiet hinweg, würde eine Dienst- und Einsatzplanung ähnlich dem Stadtordnungsdienst erfordern. Zugleich hätte ein solches Team eine deutlich andere Wirkung, da es nicht primär der Abwehr von Ordnungswidrigkeiten wie Lärm oder Müll dienen würde, sondern vor allem kommunikative, sozialpädagogische, interessenaus-gleichende und betroffenenzentrierte Aufgaben erfüllen würde.
Insgesamt verfolgt die Stadtverwaltung jedoch den bereits oben dargestellten dialogischen Ansatz zur Lösung kommunaler Konflikte, aktuell pilothaft im Gebiet der ehemaligen Waffenverbotszone im Leipziger Osten (FF Kommunaler Präventionsrat Leipzig).
Ergänzend hierzu hat die Stadt Leipzig bereits alternative Maßnahmen ergriffen, um das Thema Awareness innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung zu etablieren. Das Referat für Gleichstellung hat federführend den „Awareness-Leitfaden für Veranstaltungen in der Stadt Leipzig“ erarbeitet sowie ein verwaltungsinternes Schulungsformat konzipiert, welches seit 2024 umgesetzt wird. Auf Basis des dritten Gleichstellungsaktionsplans der Stadt Leipzig (Maßnahmenkatalog 2024 bis 2027) bearbeitet die Stadtverwaltung das Thema Awareness und Sicherheit im öffentlichen Raum fortlaufend.
Darüber hinaus ist es möglich, wie anlässlich der UEFA EURO 2024 oder des Deutschen Turnfestes 2025, zu Veranstaltungen auf private Awareness-Dienstleister zurückzugreifen.
In den letzten Jahren hat sich, u. a. auch durch die Arbeit des Fachbereichs Nachtkultur und durch die von der Stadt Leipzig geförderte Koordinierungsstelle Nachtleben, die Sichtbarkeit und Wichtigkeit der Anti-Diskriminierungs-Arbeit und Gewaltprävention im Veranstaltungs-bereich erhöht, sodass auch kommerzielle Anbieter von Events, größere Veranstaltungs-häuser und Großveranstaltende eigenverantwortlich Vorkehrungen treffen, Mitarbeitende schulen und Unterstützungsangebote für Betroffene unterbreiten. Unbenommen der Einschätzung der Stadtverwaltung ist es möglich, dass freie Träger und Akteure des Leipziger Nachtlebens Projektförderungen für die Umsetzung von Awareness-Angeboten beantragen und entsprechende Projekte umsetzen.
Angesichts dessen, sieht die Stadtverwaltung, trotz inhaltlicher Übereinstimmung zur Wichtigkeit der Sensibilisierung der Stadtbevölkerung zum Thema Anti-Diskriminierung und vor dem Hintergrund kommunaler Gewaltprävention, derzeit von einer Weiterverfolgung der Etablierung stadteigener Awareness-Teams ab.
2. Welche organisatorischen Anbindungen von Awareness-Teams sind in der Stadt Leipzig möglich?
Siehe 1.
3. Wie viele Personen sollte ein Awareness-Team umfassen?
Die einzelnen Teams sollten jeweils zwei bis drei geschulte Personen umfassen, die bestenfalls selbst diverse kulturelle und sprachliche Hintergründe aufweisen, kultursensibel geschult und geschlechtlich paritätisch besetzt sind.
4. Wie viele Teams sind geplant?
Die Anzahl der Teams hängt stark vom geplanten Einsatzspektrum ab (räumliche Ausdehnung und Frequenz der Passant/-innen).
5. Welche Qualifikationen müssten Mitglieder dieser Teams mitbringen?
Grundsätzlich ist es so, dass es für die Awareness-Arbeit keine standardisierbare oder zertifizierbare Ausbildung gibt. Es gibt jedoch berufliche Hintergründe, wie beispielweise Sozialpädagogik/Soziale Arbeit, Psychologie, Pädagogik, systemische Beratung oder (Konflikt-)Moderation, die eine Eignung begünstigen.
Awareness-Mitarbeitende sollten über eine hohe Empathiefähigkeit verfügen, geduldig, teamfähig und zuverlässig sein. Eine wichtige Voraussetzung ist die Bereitschaft zur Für- und Seelsorge, um Erfahrungen, Ängste und Nöte von Betroffenen aufzunehmen und Unterstützungsarbeit zu leisten. Auch in emotional belastenden Situationen sollten sie Grenzen setzen und klar kommunizieren können.
Innerhalb der Stadt Leipzig gibt es Seminar- und Weiterbildungsangebote, aber auch Vernetzungstreffen zu Themen wie Antidiskriminierung, Inklusion, Konfliktbewältigung, die in der Awareness-Arbeit sehr hilfreich sind. Es bieten sich bspw. Schulungen an in den folgenden Bereichen:
- Grundlagenschulung Awareness (8–20 Stunden)
- Trauma- & diskriminierungssensible Gesprächsführung
- Deeskalation & Konfliktmanagement
- (Psychologische) Erste Hilfe / ggf. Krisenintervention
Die oben genannten Aspekte werden bereits jetzt durch unterschiedliche Schulungen der Stadt Leipzig angeboten. Mit Fokus auf die Awareness-Arbeit könnten einzelne Bereiche noch stärker ausgebaut oder inhaltlich untersetzt werden.
6. Welche Ausstattung wäre für die Teams notwendig?
Folgende Ausstattungen sollten die Teams aufweisen:
- Lastenrad / Rucksäcke
- Fester Standort:
- Mindestens Safer Space (Rückzugsraum für Teams und/oder Klient*innen) inkl. Möblierung (Couch/Liege, Stuhl, Tisch)
- Ggf. zusätzlichen Info-Point (Anlaufstelle)
- Erkennungszeichen (Westen, Leuchtrucksäcke, etc.)
- Funkgeräte (Anbindung an Veranstaltungsleitungsstruktur)
- Kommunikationsmaterialien vor Ort
- Flyer und Video-Screen Botschaften, Aushänge
- Informationsmaterial zu weiterführenden Beratungsangeboten und Anlaufstellen
- Ansprechende Aufklärung- und Infovideos (Video anl. der UEFA EURO 2024 liegt vor)
- Awareness-Info auf Bannern und Wegeleitung
- Erste-Hilfe-Material, Taschenlampen, Aschenbecher, Taschentücher, Pflaster, Was-serflaschen, Müllsäcke, Tampons, Kondome
- Dokumentationsmaterial (Fotos, Protokolle, ggf. Video- und Audioaufzeichnung)
- Verpflegung (mobil und stationär) für Betroffene: Snack, Traubenzucker und Wasser-flaschen; Taschentücher
- Spiele zur Kontaktaufnahme sowie zur Informations- und Wissensvermittlung
- ÖPNV-Ticket oder (Lasten-)Fahrräder, um Mobilität zu ermöglichen (sofern erforder-lich)
7. Wo sollen die Awareness-Teams eingesetzt werden?
Es eignen sich Orte mit stark frequentiertem Nachtleben und daraus resultierenden Konflikten innerhalb der Nachtschwärmer und/oder Anwohnenden. In Leipzig gibt es keine Konzentration auf ein Viertel, wie z. B. in Dresden-Neustadt oder Bremen-Viertel, sondern stadtweit wechselnde Orte mit starkem Nachtleben bzw. Corner-Publikum (z. B. Hauptbahnhof, rund um den Markt, Wolfgang-Heinze-Straße, Eisenbahnstraße, Sachsen-brücke, Karl-Heine-Straße, Jahrtausendfeld, Merseburger Straße, …).







