Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Beigeordnete,
sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,
liebe Gäste auf der Tribüne und im Livestream,
jeder zweite junge Mensch in unserem Land leidet unter Einsamkeit. Das ergab eine vergleichende Studie der Bertelsmann-Stiftung aus Jahr 2024. 51%, also gut die Hälfte der 18- bis 35-jährigen leiden an Einsamkeit und insgesamt gaben seinerzeit 41%, also 2 von 5 Befragten an, einsam zu sein.
Die Gründe für diese sehr hohen Zahlen können vielschichtig sein: Der Verlust eines geliebten Menschen durch Trennung, Scheidung oder Tod, ein Umzug in eine neue Stadt oder ein neues Land, der Verlust des Arbeitsplatzes oder Langzeitarbeitslosigkeit, Gesundheitsprobleme wie chronische Krankheiten oder Behinderungen, soziale Angst oder Schüchternheit – all das kann ein Gefühl sozialer Isolation bedingen oder verstärken.

Einsamkeit ist eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit – mit tiefgreifenden sozialen, psychischen und gesundheitlichen Folgen. Studien zeigen, dass chronische Einsamkeit zu höheren Risiken für Depressionen, Angststörungen, Demenz- und weiteren Erkrankungen führt. Und, dass Menschen, die ungewollt allein sind, ein bis zu doppelt so hohes Risiko haben, an Alzheimer zu erkranken.
Einsamkeit ist kein individuelles Versagen, sondern ein strukturelles Problem, für das es gesamtgesellschaftlicher und auch politischer Lösungen bedarf – gerade auch auf kommunaler Ebene.
Vor allem Frauen, junge Menschen, Senior:innen, Menschen mit Behinderungen, Migrant:innen und queere Personen sind von Einsamkeit betroffen.
Mit unserem gemeinsam mit den GRÜNEN in einer Neufassung eingereichten Antrag “Einsamkeit kann jede/n treffen” wollen wir das sensible und nach wie vor hochaktuelle Thema Einsamkeit noch zielgenauer ins Blickfeld nehmen. Deshalb schlagen wir möglichst passgenaue Maßnahmen vor, wie und wo die Verwaltung dem Thema Einsamkeit noch besser begegnen kann.
Einsamkeit zu begegnen – das muss als Querschnittsaufgabe gedacht werden. Der Fachplan „Offene Angebote für soziale Teilhabe“ soll dieses Ziel verbindlich verankern, ebenso müssen bestehende städtische Aktionswochen im Bereich Soziales dezidiert das Thema Einsamkeit mitdenken und aufgreifen.
Da Menschen aller Generationen und verschiedener sozialer Schichten von Einsamkeit betroffen sind, fordern wir die Prüfung niedrigschwelliger Gemeinschaftsangebote, wie Plauderbänke oder den Ausbau von Besuchsangeboten für Menschen, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können. Angebote, die sich in anderen Kommunen bereits bewährt haben und die auch einer wachsenden Stadt wie Leipzig gut zu Gesicht stehen. Einer Stadt, die immer mehr Menschen zu sich zieht, in der sich aber auch immer mehr Menschen einsam fühlen.
Ebenso müssen wir die Themen Einsamkeit und Digitalisierung fokussierter zusammendenken und zusammenbringen. Hier fordern wir vor allem eine stärkere Vernetzung bestehender Angebote wie der Leipzig App, des bundesweiten Projektes Kompetenznetz Einsamkeit, der sozialen Plattform „Gemeinsam Erleben“ oder der Jugend-App „Between the lines“.
Zudem sollen Multiplikator:innen bereits bestehende örtliche zielgruppenspezifische Angebote intensiver bewerben, wie die „Nummer gegen Kummer“ oder „Silbernetz“.
Und wir beauftragen Oberbürgermeister Burkhard Jung sich für den Aufbau eines „Sächsischen Netzwerks gegen Einsamkeit“ einzusetzen, das auf Landesebene Kommunen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft miteinander vernetzt.
Wir haben bei der Benennung der Maßnahmen natürlich die Haushaltslage im Blick. Die hier vorgeschlagenen Beschlusspunkte fordern ein Mindestmaß an personellem und finanziellem Aufwand, um dem Thema Einsamkeit in unserer Stadt zu begegnen und das gesellschaftliche Miteinander zu stärken.
Wir bitten um Zustimmung zu unserem Antrag!




















