Rede zum Antrag “Tagestreff für wohnungslose Frauen im Stadtgebiet etablieren” (VIII-A-02065)

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,  

sehr geehrte Beigeordnete,  

sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,  

liebe Gäste auf der Tribüne und im Livestream,  

vor gut einem Jahr, im Januar 2025, waren 965 obdachlose Menschen in Notschlafstellen untergebracht. Rund ein Drittel davon, also 316 Personen, waren Frauen.   

Häufig werden Frauen obdach- oder wohnungslos, weil sie Gewalt in Partnerschaften erfahren (haben) und der Weg auf die Straße für sie „das kleinere Übel“ ist. Auch der bekannte Gender-Pay-Gap und die daraus resultierende Armut sind eine strukturelle Ursache, die Frauen in die Wohnungslosigkeit treibt.   

Wohnungslose Frauen sind eine von mehreren besonders vulnerablen Gruppen, zu denen unsere Fraktion immer wieder mit Trägern im Gespräch ist. So beispielsweise auch am „Tag der Wohnungslosen“, organisiert von der AG Recht auf Wohnen, am 11. September auf dem Nikolaikirchhof, an dem man jedes Jahr niedrigschwellig mit vielen Akteur:innen der Wohnungsnotfallhilfe ins Gespräch kommen kann.  

Bei unseren Gesprächen wurde sehr deutlich an uns herangetragen, dass – neben vielen anderen Dingen – Tagestreffs speziell für wohnungslose Frauen in Leipzig bislang eine absolute Ausnahme sind, obwohl dafür ein dringender Bedarf besteht. Die eingangs genannten Zahlen sprechen hier für sich. Von Gewalt und/oder Armut betroffene und aus dieser Not heraus wohnungslose Frauen brauchen einen Safe Space, einen geschützten Raum, um ihre Bedarfe wahrzunehmen, sich austauschen und fachliche Hilfe annehmen zu können.   

Verstehen Sie mich nicht falsch: Bestehende gemischtgeschlechtliche Tagestreffs sind ein wichtiges Angebot der Leipziger Wohnungsnotfallhilfe und sollen dies auch weiterhin sein. Es muss aber gleichzeitig der Vulnerabilität von Frauen, insbesondere solchen mit Gewalterfahrungen, Rechnung getragen werden. Nicht zuletzt spielt die Umsetzung der Istanbul-Konvention hierbei eine entscheidende Rolle.    

Die Verwaltung hat unseren Antrag in einer unter der derzeitigen Haushaltslage umsetzbaren Form aufgenommen. Uns ist es aus den genannten Gründen äußerst wichtig, dass die Eröffnung weiterer Tagestreffs für wohnungslose Frauen im weiterzuschreibenden Fachplan Wohnungsnotfallhilfe verankert wird. Wir begrüßen es deshalb sehr, dass das Sozialamt bereits jetzt schon prüfen möchte, welche zeitnahen Unterstützungsmöglichkeiten für wohnungslose Frauen umgesetzt werden können.  

Die Stadt Leipzig sieht offensichtlich genau wie wir die Notwendigkeit, wohnungslose Frauen in unserer Stadt noch besser zu unterstützen. Das ist ein deutliches Signal, dass die Stadt Leipzig das Thema ernst nimmt. Wir bitten deshalb um Zustimmung zu dem vorliegenden Verwaltungsstandpunkt, den wir hiermit übernehmen und zur Abstimmung stellen.  

Vielen Dank.

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